Volker Grassmuck erklärt Freie SoftwareDecember 31

Der Freie-Software-Experte Volker Grassmuck erklärt uns zum Jahreswechsel, was freie Sofware ist:

Was eigentlich ist Freie Software?
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Volker Grassmuck erklärt mit einfachen Worten, was Freie Software ist und worin ihre Vorteile liegen.
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Das Buch “Freie Software” von Volker Grassmuck kann hier frei herunter geladen werden (zur Verfügung gestellt von der Bundeszentrale für politische Bildung).

Die Geschichte der Freien Software Bewegung,
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Die Geschichte der Freien Software ist nicht nur die Geschichte eines nie da gewesenen Produktes, eines Produktes, das einerseits immateriell ist (wie alle digitalen Daten) und anderseits produktiv wie andere Produktionsmittel auch (wie etwa Fabriken und Maschinen), sondern die Geschichte der Freien Software erzählt das Wachsen einer alternativen Ökonomie, in der Arbeit nicht mehr bezahlt wird und Leistungen nichts mehr kosten. Die Arbeitsstrukturen in denen Freie Software geschrieben (produziert) wird, sind prinzipiell offen. Prinzipiell im zweifachen Sinne a) im Sinne der der Definition und des Prinzips - Freie Software zeichnet sich dadurch aus, eben nicht in einem geschlossenen Unternehmenszusammenhang produziert zu werden und b) im Sinne der Einschränkung, denn tatsächlich teilnehmen kann nur der, der es vermag zum Autor Freier Software zu werden und eine entsprechende Qualifikation mitbringt.

Wenn wir die Produktionsstrukturen Freier Software modellhaft begreifen und also nach ihrer Übertragbarkeit auf andere Arbeits- und Produktionsstruktur fragen, erscheint es sinnvoll, zunächst die Besonderheiten der Freien Software zu beschreiben.

1. Historische Wurzeln. Computerprogramme haben womöglich zwei Wurzeln. Die eine liegt in der kostenlosen Beigabe der Software zu einer Hardware und die andere liegt in der Universität. Die Universität ist ein privilegierter Ort, zu vergleichen mit dem antiken Staatstheater. Ein Ort, der für die Wissensproduktion der Gemeinschaft so wichtig erscheint, dass man ihn gemeinschaftlich über Steuern finanziert.

2. Globalität. Die Zusammenarbeit an Freier Software ist grundsätzlich nicht örtlich gebunden, sondern kann über das Internet geschehen. Sie ist nicht lokal gebunden.

3. Anerkennungsökonomie. Die Community ist gut vernetzt und das Bedürfnis der Anerkennung besteht vor allem in der Peer-to-Peer-Gruppe. Die Anerkennung der Peer-to-Peer Gruppe ist nicht käuflich. Den anderen Gesellschaftsmitglieder ist die Wertschätzung der eigentlichen Programmierarbeit weitgehend verschlossen (denn Sie können den Code nicht lesen und beispielsweise eine elegante Lösung nicht von einer weniger eleganten unterscheiden).

4. Inmaterialität. Es handelt sich um ein digitales Produkt d.h. um ein Produkt, das prinzipiell kostenlos distribuiert werden kann. Wird ein Brot gebrochen und verteilt, bekommt jeder nur einen Teil. Die digitale Information dagegen wird durch Teilung nicht weniger. Unter diesem Aspekt ähnelt Software allen Formen von Information und Wissensformen, die sich von ihren materiellen Trägern emanzipieren können.

5. Kopplung von Lese- und Schreibkompetenz. Für Programmierer ist ein Code, wenn er offen ist, lesbar. Gegenüber ihren Konsumenten verhält sich Software dagegen eher wie audio-visuelle Formate (Kinofilme, TV-Format) zu deren Konsumenten: Sie ist ausschließlich ausführbar. Dies entspricht der Lesbarkeit (dem Sehen und Verstehen) etwa von Filmen. Der Konsument von Filmen und TV besitzt in der Regel eine Lese- , aber keine Schreibkompetenz. Auf der Seite der Programmierer verhält sich Freie Software wie Schrift; denn bei Schrift schließt Lesefähigkeit in der Regel die Fähigkeit zu Schreiben ein.

***

Die Produktionsstrukturen der Freien Software verweisen auf eine Welt, in der Arbeit und Konsum neuen Regeln gehorchen, eine Welt, in der die Lebensberechtigung von Geldarbeit abgekoppelt ist (vgl. hierzu Konzepte des bedingungslosen Grundeinkommens) und in der deshalb nicht für den Bedarf, sondern für Bedürfnisse produziert werden. (Zur Unterscheidung von Bedürfnis und Bedarf)

Was ist Freie Software? - Längere Fassung
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Und hier kann man die Die Show des Freien Wissens erleben!

Prost! & Happy New Year!

3 comments

  1. Hallo,

    eine sehr interessante kurze Einleitung. Ich habe das Buch nicht gelesen, muss aber in einigen Punkten der kurzen Einleitung widersprechen bzw. Anmerkungen machen.

    2. Das ist keine Besonderheit von freier Software. Auch kommerzielle kann und wird international produziert.

    3. Hier liegt keine Ökonomie vor. Anerkennung ist schön und gut, aber bezahlt werden die Rechnungen trotzdem mit Geld. Die Motivation liegt selten darin den anderen in der “Szene” gefallen zu wollen. Dazu später mehr.

    4. Immaterialität liegt auch nur bedingt vor. Die Software kann zwar beliebig repliziert werden, jede Replikation zieht aber eventuell Kosten nach sich. (z.B. für Traffic bei Updates bzw. notwendigen Serverupgrades weil die Software so beliebt ist, dass sie von sehr vielen Leuten benutzt wird.) Ebenso beim Support. Jede Software muss von den Programmieren unterstützt werden. Mehr User = mehr notwendiger Support. Zu wenig Support => schlechtere Software => weniger User => …

    5. Ich finde diesen Punkt zu ungenau. Jeder wirklich gute Programmierer (Reverse Engineer) kann auch kommerzielle Software ändern. Bei allen digitalen Medien bedeutet das Recht zu lesen auch immer das Recht zu schreiben. (Bei Filmen und Musik natürlich nur im konkreten Sinne und nicht im abstrakten - also des Filminhaltes) Software aber kann und vor allem wird von Leuten ohne intendiertes Schreibrecht geändert.

    Freie Software kann meiner Meinung nach in mindestens zwei Gruppen unterteilt werden. Kleine Projekte (Produkte) und große.
    Kleine entsprechen viel mehr den hier genannten Kriterien freier Software. Sie werden meist aus einem Grund gemacht. Es gibt keine alternativen und guten Produkte auf dem Markt für umsonst bzw. sogar zu kaufen. Die Programmierer müssen trotzdem finanziert werden. Dies geschieht dann meistens über Spendensysteme.
    Große Software (Linux Kernel, Ubuntu, …) entspricht aber ganz anderen Kriterien. Viele der Entwickler arbeiten Vollzeit und werden von jemandem bezahlt. Ich kann sie leider nicht mehr wiederfinden, erinnere mich aber an eine Untersuchung die eine Statistik über die Herkunft der Quellcodezeilen den Linux-Kernels aufgestellt hat. Dabei kam heraus, dass (nicht ganz sicher) mehr als 70 Prozent des Codes aus großen Softwarehäusern kommt (Sun, Intel, …).
    Warum stecken die großen Firmen Geld in die Entwicklung freier Software? Zum einen, weil sie die Produkte selber verwenden und an einer guten Software interessiert sind und zum anderen, weil sie kommerziellen Support für die Software anbieten (oder sogar kommerzielle Versionen ableiten - siehe Redhat o. MySQL).

    Noch ein kleine Anmerkung zu den Produktionsstrukturen: Selten gibt es Projekten, in denen das Einfügen neues Codes selber gemacht werden kann. Es gibt meist eine finale Instanz die nicht selten aus nur einer Person besteht. (Beim Linux-Kernel sind es meines Wissens nach drei Leute.) Das heißt es besteht nicht wirklich eine völlig freie Struktur. Die Entscheidung über die Einführung neuer Ideen oder bestimmter Veränderungen bleibt bei einer kleinen Gruppe.

    Bei aller Liebe zu freier Software (Ich versuche mich immer weiter von kommerziellen Produkten zu lösen.) darf man nie vergessen, dass es kaum möglich ist gute Software herzustellen ohne davon zu leben. Solange wir nicht in einer Gesellschaft ohne Geld leben, wird es nur schwer möglich sein Software zu schreiben, die nicht finanziert wird.

    Mir scheint es so, als ob die kurze Zusammenfassung den eigentlichen Charakter freier Software nicht erfässt. Er liegt nicht in den Produktionsbedingungen; diese sind zu vielfältig, als dass man sie als ausschlaggebend für freie Software betrachten könnte. Freier Software ist frei verfügbar. Das macht sie aus. Außerdem heißt frei nicht auch quelloffen. Software kann umsonst und frei von Urheberrechtsansprüchen sein und trotzdem nicht als Quellcode vorliegen (siehe utorrent.com). Mir fehlt leider die negative Seite quelloffener Software. Die Hersteller übernehmen (fast) nie Verantwortung für ihr Produkt. Somit ist der Einsatz solcher Software im Produktionsalltag von Firmen viel schwieriger, da bei Ausfall keine Regressansprüche an den Hersteller gestellt werden können. (Auch bei kommerzieller Software wird oft über die Lizenz solchen Ansprüchen ausgewichen.)

    Freie Software ist ein Schritt zur Befreiung der Gesellschaft aus den Klauen des Kapitalismus. Trotzdem ist sie auch ein Produkt des selben. Nur weil Software im Allgemeinen viel Geld kostet ist es überhaupt möglich möglich/nötig freier Software zu produzieren.

    viele Grüße

  2. Sollte mein langes Kommentar nicht veröffentlicht werden, würde ich es ganz gerne wieder zurück haben. Ich habe es leider nicht gespeichert. Könnten Sie mir es bitte per Email zu schicken?

    mit freundlichen Grüßen

  3. >Hallo,

    >eine sehr interessante kurze Einleitung. Ich habe das Buch nicht gelesen, muss aber in einigen Punkten der kurzen Einleitung widersprechen bzw. Anmerkungen machen.

    Nein, nein, das war keine Zusammenfassung vom Buch, diese findet man hier: http://freie-software.bpb.de/
    sondern ein paar fahrlässige notizen, die EINE BASIS BILDEN WOLLEN, DAS FREIE SOFTWARE MODELL AUF ANDERE BEREICHE ZU ÜBERTRAGEN.

    2. Das ist keine Besonderheit von freier Software. Auch kommerzielle kann und wird international produziert.

    O.k. richtig. Gemeint war, dass diese Qualität, die offensichtlich bei aller Arbeit an Software möglich ist, vielleicht eine gute Voraussetzung oder Möglichkeit für Kollaboration in andern Bereiche ist, bwz. dass man diskutieren könnte, ob diese Qualität gekoppelt mit OFFENHEIT ein wichtiges Kriterium ist.

    >3. Hier liegt keine Ökonomie vor. Anerkennung ist schön und gut, aber bezahlt werden die Rechnungen trotzdem mit Geld. Die Motivation liegt selten darin den anderen in der “Szeneâ€? gefallen zu wollen. Dazu später mehr.

    Ja, was ist Ökonomie? Man spricht ja auch von Symbolischen Kapital (Pierre Bourdieu). Wird hier mit Anerkennung gezahlt oder geht es darum, symbolisches Kapital zu erwirtschaften, dass man dann in komerziellen Zusammenhängen nutzen kann?

    Vom antiken Staatstheater über Universitäten und Bibliotheken wurde eine bestimmte Kultur und ein bestimmtes Wissen immer von der Gemeinschaft finanziert. Das ist Demokratie. Warum entwickeln die G8 nicht ein Software-Theater? Oder bedingungsloses Grundeinkommen. Eine alternative Ökonomie wäre eben eine Ökonomie in der Arbeit eben nicht bezalt würde und dafür Leistungen frei sind.

    >4. Immaterialität liegt auch nur bedingt vor. Die Software kann zwar beliebig repliziert werden, jede Replikation zieht aber eventuell Kosten nach sich. (z.B. für Traffic bei Updates bzw. notwendigen Serverupgrades weil die Software so beliebt ist, dass sie von sehr vielen Leuten benutzt wird.) Ebenso beim Support. Jede Software muss von den Programmieren unterstützt werden. Mehr User = mehr notwendiger Support. Zu wenig Support => schlechtere Software => weniger User => …

    Ja. auch sehr richtig. Freies Wissen bespielsweise steht vor der Frage, wie die Datenträger finanziert werden. Öffentliche, kostenlose Biblioteken. Ich finde es problematisch, dass die Staatsbibliotek Eintritt nimmt und damit Benutzer ausschließt.

    >5. Ich finde diesen Punkt zu ungenau. Jeder wirklich gute Programmierer (Reverse Engineer) kann auch kommerzielle Software ändern. Bei allen digitalen Medien bedeutet das Recht zu lesen auch immer das Recht zu schreiben. (Bei Filmen und Musik natürlich nur im konkreten Sinne und nicht im abstrakten - also des Filminhaltes) Software aber kann und vor allem wird von Leuten ohne intendiertes Schreibrecht geändert.

    >Freie Software kann meiner Meinung nach in mindestens zwei Gruppen unterteilt werden. Kleine Projekte (Produkte) und große.
    Kleine entsprechen viel mehr den hier genannten Kriterien freier Software. Sie werden meist aus einem Grund gemacht. Es gibt keine alternativen und guten Produkte auf dem Markt für umsonst bzw. sogar zu kaufen. Die Programmierer müssen trotzdem finanziert werden. Dies geschieht dann meistens über Spendensysteme.
    >Große Software (Linux Kernel, Ubuntu, …) entspricht aber ganz anderen Kriterien. Viele der Entwickler arbeiten Vollzeit und werden von jemandem bezahlt. Ich kann sie leider nicht mehr wiederfinden, erinnere mich aber an eine Untersuchung die eine Statistik über die Herkunft der Quellcodezeilen den Linux-Kernels aufgestellt hat. Dabei kam heraus, dass (nicht ganz sicher) mehr als 70 Prozent des Codes aus großen Softwarehäusern kommt (Sun, Intel, …).
    Warum stecken die großen Firmen Geld in die Entwicklung freier Software? Zum einen, weil sie die Produkte selber verwenden und an einer guten Software interessiert sind und zum anderen, weil sie kommerziellen Support für die Software anbieten (oder sogar kommerzielle Versionen ableiten - siehe Redhat o. MySQL).

    >Noch ein kleine Anmerkung zu den Produktionsstrukturen: Selten gibt es Projekten, in denen das Einfügen neues Codes selber gemacht werden kann. Es gibt meist eine finale Instanz die nicht selten aus nur einer Person besteht. (Beim Linux-Kernel sind es meines Wissens nach drei Leute.) Das heißt es besteht nicht wirklich eine völlig freie Struktur. Die Entscheidung über die Einführung neuer Ideen oder bestimmter Veränderungen bleibt bei einer kleinen Gruppe.

    Das eben ist der entscheidende Punkt! Wenn man eine derartige Struktur nutzen will braucht man eine produktionshierachie, die immer wieder nicht-hierachisch reflektiert werden könnte. Sie kann auch rotieren. Aber wer das ergebnis grantiert, muss die Regeln vorgeben.

    >Bei aller Liebe zu freier Software (Ich versuche mich immer weiter von kommerziellen Produkten zu lösen.) darf man nie vergessen, dass es kaum möglich ist gute Software herzustellen ohne davon zu leben. Solange wir nicht in einer Gesellschaft ohne Geld leben, wird es nur schwer möglich sein Software zu schreiben, die nicht finanziert wird.

    Ja, was gibt es für alternative Finanzierungsmögichkeiten. Über den Support? Über Steuern? keine ahnung. das wäre eben zu diskutieren….

    >Mir scheint es so, als ob die kurze Zusammenfassung den eigentlichen Charakter freier Software nicht erfässt. Er liegt nicht in den Produktionsbedingungen; diese sind zu vielfältig, als dass man sie als ausschlaggebend für freie Software betrachten könnte.

    Die Frage war nicht, WAS IST FREIE SOFTWARE? - Das erzählt Grassmuck ja viel besser, sondern, kann man irgendetwas, von den Produktionsturkturen der Freinen Software übertrage auf andere Bereiche.

    hierzu: http://www.mail-archive.com/rohrpost@mikrolisten.de/msg02004.html

    http://www.mail-archive.com/rohrpost@mikrolisten.de/msg02002.html

  4.  

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