Toward an Integral Theory of Media VI: Kommunikation. Medien. Macht.September 7
Jens Friedrich, Till Nikolaus von Heiseler | Freie Universität Berlin | Donnerstags 14-16 Uhr, Beginn: 05.10.2006, Garystraße 55, Raum 323 | In diesem Seminar wird der Versuch unternommen, die möglichen Konsequenzen der neuen Medien für die Kommunikation in der Gesellschaft sowie die Typen der sie beherrschenden Macht zu erkunden. Das Seminar folgt einem Ansatz von Rudolf Maresch und Niels Weber, die in ihrer Publikation Kommunikation - Medien - Macht“ (Frankfurt am Main, 1999) die Frage aufwerfen, ob die zwei womöglich elaboriertesten Theorien der Medien - die Systemtheorie Niklas Luhmanns und die Mediengeschichtswissenschaft Friedrich Kittlers - nicht zu einer universellen Medientheorie vereint werden könnten.
Rudolf Maresch und Niels Weber laden in ihrem Buch, so polemisch Siegfried J. Schmidt (ebenda, p.108), „zum Bau einer Supertheorie ein, eine Theorie, die die Systemtheorie (Luhmann) und Medienwissenschaft (Kittler) in einer ’machtvollen Theoriekonvergenz’ vereint und die dadurch (…) den seit Hegels Tod vakanten Platz des Königs wieder besetzt. Eine solche Supertheorie, ’eine philosophische, intellektuelle, kreative und politische Herausforderung erster Güte’, könnte dann (…) noch kompetenter als Luhmann und Kittler bereits vorliegende Supertheorien‚ die Bausteine der sich abzeichnenden Weltgesellschaft’ nämlich Kommunikation, Medien und Macht, unter die Lupe nehmen und wieder ’gesellschaftlich relevante Aussagen ermöglichen’.“
Das von Maresch/Weber angekündigte Programm ist insofern brisant, als dass Theorien nicht einfach addiert werden können, da Einsicht und Blindheit einander bedingen. Die Schlaglichter jeder der beiden bereits vorliegenden „Supertheorien“ sind also gerade durch das Dunkel erkauft, das jenseits dieser Schlaglichter gähnt und es könnte sein, dass eine Doppelbelichtung gerade in das Dämmerlicht kulturwissenschaftlicher Schwafelei und in das Gerede des „gesunden Menschenverstandes“ zurückführt, gegen die sich beide Theorien einzeln erfolgreich abgestoßen haben. Es könnte andererseits aber auch sein, dass eine gegenseitige Zwangsbegattung beider Theorien den theoretischen Abstraktgrad einfach nur weiter steigert und wir dann bei der Definition des Mediums als „historisches Apriori“ im Sinne Foucaults ankommen, das ja sowohl die Materialität des Mediums als auch jenes Dispositiv meint, das in einem Diskurs Sagbares von Unsagbarem, Wissen von Wahnsinn und anschlussfähige Aussagen von Rauschen trennt. Aber was wäre damit gewonnen?
Vielleicht wäre - bevor über die von Maresch/Weber vorgeschlagene theoretische Exogamie nachgedacht wird - ein einfaches Gegenüber- oder Nebeneinader-Stellen angebrachter, nicht um beide Theorien gegeneinander auszuspielen, sondern um immerhin das in den Blick zu bekommen, was die jeweilige Theorie beschreiben kann. Für unsere Suche nach einer integralen Medientheorie könnten dies eben auch bedeuten, dass die gesuchte Theorie eben keine Amalgamation unterschiedlicher Theorien sein kann, keine vereinte universelle Theorie, sondern eine Theoriekonstellation, in der unterschiedliche theoretische Blickwickel erhalten bleiben.
Die Arbeit an einem Essay
Um eine eigene Position gegenüber der Medienwissenschaft, der Systemtheorie, aber auch der Dekonstruktion und der Diskursanalyse beziehen zu können, könnte man nach der Blindheit und Negation dieser Theorien fragen. Wenn wir weder auf den Menschen, noch das Bewusstsein zurückkommen wollen und auch nicht in einen konservativen Humanismus zurück fallen möchten, so ist es dennoch erlaubt nach diesem Jenseits, dem Jenseits der technischen Medien und der medialen Dispositive und dem der symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien und Aufschreibesysteme fragen.
Bei allen historischen Aprioris, aller formenden Materialität der Medien und allen sozial verbreiteten Kompetenzen des Sprachgebrauchs und der Sinnverwendung ist eine Eigentümlichkeit des Diskurs unübersehbar: Nach dem Tode Celans wurde nie wieder eine neues Celangedicht lesbar, nach dem Tode Shakespeares, nie wieder ein Shakespearestück und nach dem Tode Derridas verstummte ein bestimmter Sound, der eben nur in der Schrift des Autors Derrida zu finden ist. Was also ist es, was da stirbt? Wir fragen hier nicht nach dem Menschen, sondern nach einer Funktion des Diskurses, nicht nach einem Bewusstsein oder einem Körper, sondern nach dem Produzenten kultureller Daten in einer eigentümlichen Semantik und einem unverwechselbaren Stil.
Dieses Thema sollen die Teilnehmer des Seminars in einem Essay behandeln. Der Essay soll den Titel „Wo bleibt der Autor?“ tragen.
(Stichworte: Was ist ein Autor? Ist der Autor mehr als eine Zuschreibung des Rezipienten? Gibt es einen positiven Überschuss eines Autors über die Zuschreibung des Rezipienten? …)
zur Fortsetzung des Seminars im SS 2007


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22. April 2007 at 15:20
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