Bereiche der Theorie
Der Anspruch einer Theorie, einen Übergang zur einer (nicht individuellen) sondern sozialen Praxis, zu realisieren, scheint vermessen. Wissen und Macht, Technik und Ökonomie haben sehr unterschiedlichen netzwerkartigen Beziehungen zueinander, die sich in einem ständigem Wandel befinden. Mit dem Eintritt in die Kontrollgesellschaft (vgl. Kontrolle und Werden, Gilles Deleuze), hat sich die Macht verflüssigt und verlangt nach theoretischen oder experimentellen Techniken, sie zunächst sichbar werden zu lassen. Die Narrationen der Epistemologie und der Emanzipation sind deshalb wieder zusammen zu denken, nicht aber als Aufklärung, sondern als ein Jenseits der Wissenschaft.
Folgende Bereiche der theoretischen Modellation seien hier zu Diskursion gestellt:
- die Erforschung des Zusammenhangs zwischen Erleben und kommunikativer Struktur, zwischen der lebensweltlichen Qualität und der kommunikativen, situativen und medialen Struktur (Rede-, Schreib-, Lese- und Hörrechte und -verhalten, in welchen Situationen und Medien und Formaten kommt es zu Interaktivität, in welchen Medien, Formaten und Situationen zu One-to-many-Strukturen) und Beschreibungen des Zusammenhangs zwischen bestehenden kommunikativen Strukturen und bestehenden massenmedialen und situativen Formaten, des Zusammenhangs zwischen wissenschaftlichen, künstlerischen und politischen Formaten und Wissenschaft, Kunst und dem Politischen (Wie erschaffen die jeweiligen Formate die Logik der kommunikativen Struktur?). Welche Rolle spielt hier die Anerkennung?
- die Untersuchung der Selektionsmechanismen in Bezug auf massenmediale Formate in den Massenmedien, künstlerische Formate in der Kunst, wissenschaftliche Formate in der Wissenschaft, politische Formate im Politischen (Wie werden die Formate über ihre Selektion von der Logik der kommunikativen Struktur oder dem „historischen Apriori“ in unterschiedlichen Bereichen geschaffen und selektiert? - aus kulturtechnischer, systemtheoretischer, semiotischer, ökonomischer und vielleicht auch anthropologischer Perspektive). Mit welchen Währungen wird gezahlt? Wie sind Anschlüsse und Unterbrechungen organisiert? Welche Ökonomie steht hinter dem jeweiligen System?
- die Entwicklung und Erprobung experimenteller, wissenschaftlicher, künstlerischer, massenmedialer und politischer Formate, sowohl medial also auch situativ, Methoden der Kollaboration (beispielsweise offene Methoden und Formate, Produktionsarchive, Formate des internen Gebrauchs, Strukturen der Zusammenarbeit), einschließlich der Entwicklung und Weiterentwicklung von Methoden zur Entwicklung experimenteller Formate und auch der Frage, wie auch andere unabhängig von uns wissenschaftlich, künstlerisch oder sozial vielsprechende Formate entwickeln und nutzen können.
- Untersuchung der Frage, wie vielversprechende Formate in das Spiel der sozialen Reproduktion gebracht werden können und welchen Logiken die Selektionsmechanismen unterworfen sind und ob sie und wie sie beeinflusst oder verändert werden können. In welcher Weise müssten sich Anerkennungsökonomie und die Verteilung knapper Güter wandeln? Welche konkreten sozialen und medialen Formate sind hierfür geeignet.

